Vorwort

Irgendwie ist derzeit der Wurm drin. Ich setze mich hin, um einen Artikel zu schreiben, aber bekomme keinen einzigen gescheiten Satz zu Papier. Das Ende vom Lied ist, dass ich frustriert aufgeben möchte. Wer sich letztendlich darüber freut? Na klar, der Teufel. Er ist der letzte, der möchte, dass christliche Blogger von Gottes Liebe und Gnade schreiben und damit nach und nach ein Stückchen mehr Licht ins Internet bringen. Doch da macht er die Rechnung ohne Gott! Ist euch schon mal aufgefallen, wie viele christliche Blogs in den vergangenen Wochen und Monaten in der deutschen Blogosphäre entstanden sind? Da sind allein liebezurbibel, bosswithabible und wholehearted zu nennen. Aber auch einige mehr, die auf Instagram aktiv sind, wie beispielsweise jesusistmeinhirte oder togetheringod. Es ist echt krass, wie Gott hier wirkt und wie viele er in den Dienst zur Verkündigung beruft! Deshalb bin auch unheimlich entspannt und denke mir, gemeinsam sind wir stark – gemeinsam verkünden wir Christus und ermutigen eine ganze Generation an jungen Christen. Jeden Tag aufs Neue. ??♥️ Und ich starte jetzt endlich mal mit meinem ersten Artikel in 2018. Let’s go! ?

 

Die Sache mit der „göttlichen Gnade“

In den vergangenen Wochen habe ich mir unheimlich viele Gedanken über Gnade gemacht – ich konnte auch gar nicht anders! Gott hat mir immer wieder bei verschiedenen Gelegenheiten mit einem sprichwörtlichen Zaunpfahl zugewunken, so als ob er mich auf etwas sehr wichtiges hinweisen wollen würde … Natürlich hat Gott dabei eine große Ausdauer und ist sehr gnädig, denn ich steh’ gerne mal auf einem sehr langen Schlauch. Nachdem der Knoten nun aber endlich geplatzt ist, möchte ich euch erzählen, was ich über Gnade lernen durfte. Denn so gewöhnlich das Wort Gnade“ im christlichen Slang erscheint, desto öfter wird es falsch verstanden.

 

Was bedeutet „Gnade“?

Judah Smith schreibt in seinem Buch „Jesus ist ___.“* folgendes über Gnade:

Für die meisten Menschen ist „Gnade“ schwer zu definieren [….]. Das Wort ist überall in der Bibel zu finden. Eigentlich ist es wohl der wichtigste Gedanke und Begriff in der Bibel. „Gnade“ ist die Grundlage des Christseins und der Kern der Errettung. […] Die Hauptdefinition bei Webster [Anmerkung: ein englisches Wörterbuch] kommt der biblischen Bedeutung […] am nächsten: »Unverdiente, göttliche Hilfe, die den Menschen für ihre Wiederherstellung oder Heiligung gewährt wird.«

Okay, das ist ja soweit klar. Ohne die „göttliche Gnade“ hätten wir nicht errettet werden können. Leider verhalten uns aber oft so, als ob sie gar nicht existiert – weil wir die Ausmaße dessen immer noch falsch verstehen. Wir degradieren sie auf einen Platz irgendwo bei den vielen Eigenschaften Gottes. Doch wir vergessen dabei, dass die Gnade vor allem eines ist: eine Person. Und zwar nicht nur irgendeine Person. Sondern Jesus höchstpersönlich.

 

Jesus ist Gnade

Und davon können wir auch in der Bibel lesen. Johannes schreibt in seinem Evangelium:

„Er, das Wort, wurde Mensch und lebte unter uns. Wir haben seine Herrlichkeit gesehen, eine Herrlichkeit voller Gnade und Wahrheit, wie sie nur der einzigartige Sohn vom Vater bekommen hat.“ – Joh 1,14

Wir können mit Gnade gar nicht mehr unpersönlich umgehen, als ob es uns nur bei unserer Bekehrung betroffen hätte – so nach dem Motto: „Bekehrung und ewiges Leben gesichert“ abgehakt und ad acta gelegt. Zum einen, weil wir jeden Tag Gnade brauchen und zum anderen, weil diese Gnade Jesus ist. Ist uns das bewusst?

 

Das Poker Face

Wer hätt’s gedacht, die Antwort auf die Frage lautet: Nein, es ist uns oft nicht bewusst. Deswegen gehen wir mit der Gnade auch oft völlig falsch um. Wir spielen ein Spiel, setzen das Poker Face auf und hoffen, dass uns niemand in die Karten schauen kann. Unser Spielstil gibt Aufschluss darüber, wie wir die Gnade sehen: Entweder pokern wir zu hoch oder zu niedrig; entweder erachten wir sie als zu billig oder als zu teuer. Lasst mich kurz die beiden Spielstrategien erklären – vielleicht erkennt ihr euer eigenes Poker Face.

 

Gnade für lau

Gottes Gnade ist wie ein Geschenk. Die Neue evangelistische Übersetzung schreibt in ihrer Anmerkung zur Wortbedeutung: „Gunst, die völlig umsonst erwiesen wird und beim Empfänger Freude auslöst.“ Also ist es nicht nur irgendein Geschenk, sondern das größte und beste, das wir jemals erhalten können! Ein Geschenk, das aber so wertvoll ist, dass Jesus es mit seinem Tod bezahlen musste. Und doch – oder gerade deswegen? – gehen wir mit der Gnade oft wie mit einem unliebsamen Geschenk um. Unser Pokereinsatz ist niedrig. Denn es kostet uns ja nichts. Die Folge ist, dass wir die Gnade missbrauchen und unsere Sünden mit der Gnade entschuldigen – oder die Sünden gar planen, weil sie ja mit der Gnade zudecken können. Alles, was wir damit erreichen, ist aber lediglich, dass wir den Wert der Gnade für uns schmälern.

 

Gnade abbezahlen

Die andere Spielstrategie mag das komplette Gegenteil sein, aber ist dennoch nicht weniger falsch. Denn während die einen die Gnade für lau in Anspruch nehmen wollen, und dennoch weitersündigen, als hätten sie den Herrn niemals kennen gelernt, leben die anderen, als ob der Herr sie niemals mit seiner Gnade frei gemacht hätte. Ich hoffe, dir dämmert allmählich, worauf ich hinaus will. Zu diesem Typus Christ muss ich mich nämlich leider auch oft genug zählen: Die „Ich muss mir die Gnade Gottes erarbeiten“-Christen setzen alles daran, bloß nicht in Sünde zu fallen und gute Werke zu tun, um den Wert der Gnade zu erniedrigen. Dabei gibt es allerdings drei Probleme:

 

1. Du wertest Jesu Opfer ab.

Wenn du versuchst, Jesu Opfer durch deine kläglichen guten Werke wieder gut zu machen, wertest du es nicht auf, sondern ab, weil du versuchst, es ihm zurückzuzahlen. Die Gnade ist nämlich schon abbezahlt. Jesus persönlich ist für dich gestorben. Wenn wir versuchen, mit unseren eigenen Werken etwas zu der Gnade hinzuzufügen, spucken Gott damit eigentlich nur ins Gesicht. Wir sagen: „Hey, dein Tod reicht für meine Schuld nicht aus. Dein Tod war nicht wertvoll genug.“ Und jetzt mal ehrlich – stünde Gott vor dir, würdest du dich das nicht trauen. Mit deinen Taten drückst du aber genau das manchmal aus.

 

2. Du wirst gesetzlich.

Das andere Problem ist, dass du Gefahr läufst, in Gesetzlichkeit zu verfallen und dich an von Menschen gemachte Regeln zu halten, nur um deinem eigenen Standard gerecht zu werden, und so den Stempel des „Hat die Gnade verdient“-Christen zu erhalten. Du wirst selbstgerecht und setzt den gleichen Maßstab an andere an. Das ist aber nicht Gottes Definition eines guten Christ – nur wer sich allein auf die Gnade Gottes verlässt, kann errettet werden.

 

3. Dein Fokus liegt auf der Sünde.

Wenn du versuchst, alles zu tun, nur nicht zu sündigen, siehst du am Ende nur noch auf die Sünde und auf deine „heilige To-do-Liste“. Wir sollen aber auf Jesus blicken, denn dann leben wir automatisch aus der Gnade und werden von innen verändert – und dann müssen wir uns auch nicht mehr auf die Sünde oder unsere ach so tollen Werke konzentrieren, weil wir uns von selbst von der Sünde fern halten und von innen heraus gute Frucht bringen.

 

Alles auf eine Karte setzen: Jesus

Wie du nun vielleicht gesehen hast: Beide Möglichkeiten bedeuten am Ende des Spieles, dass wir verlieren. Und selbst unser Poker Face kann uns in diesem Spiel nicht retten. Menschen können wir mit einem Poker Face eventuell täuschen. Gott jedoch nicht. Gott kennt uns durch und durch – jeden Gedanken, jede Intention, jede noch so heimliche Handlung. Unsere einzige Chance, am Ende als Sieger dazustehen, ist, alles auf eine Karte zu setzen: Den König, den Joker, das Ass im Ärmel. Unseren Retter Jesus, der Gnade und Wahrheit in Person ist. Wenn wir uns auf ihn verlassen und an ihm festhalten, fernab von lauem Christsein und geringem Spieleinsatz oder der „heiligen To-do-Liste“ mit unseren kläglichen guten Werken, werden wir wahre Gnade erfahren. Und vor allem bereiten wir Gott damit Ehre und erfreuen ihn. Judah Smith schreibt in seinem Buch „Jesus ist ___.“*:

Wenn wir seine Gnade empfangen und erleben, belästigen wir Gott damit nicht. Ganz im Gegenteil – genauso mag er es. In Gottes Denken löste der Tod Jesu am Kreuz das Problem mit der Sünde und wir können jetzt zurückkommen zu dem Leben in Fülle, das Gott ursprünglich für uns geplant hatte.

Es wird Zeit, wieder so zu leben, wie Gott sich menschliches Leben gedacht hat. Es wird Zeit, das Poker Face einzutauschen und stattdessen mit offenen Karten zu spielen und alles auf eine Karte zu setzen: den Trumpf in unserem Ärmel namens Jesus Christus. Bist du bereit dafür?

 

Einen wunderschönen & gesegneten Start in die Woche!
Eure Daniela

*Buchzitate aus „Jesus ist ___.“ von Judah Smith, erschienen beim Grace today Verlag, 2013.

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